Initiative zeigen: Horizonte eröffnen

"Das Leben kommt mir manchmal vor wie der Horizont bei Nebel. Wir wissen, dass der Horizont, unser Ziel, da ist, aber wir können ihn im Nebel nicht ausmachen. Wenn wir nur keine Angst hätten, durch den Nebel zu gehen!" sagte er. "Ich glaube, es ist zutiefst menschlich, Angst zu haben, wenn man nicht weiß, wohin diese Reise geht."*
Aus "Der Traum des Leuchtturmwärters" von Sergio Bambaren

Text: Dr. med. Regina Strumpf | Grafik: Horizonte Göttingen e.V.

Es war ein außergewöhnlich schöner Abend im August. Im stilvollen Ambiente des Schillingshofs in Groß Schneen kam eine Gruppe von Menschen zusammen, die sich sonst in dieser Zusammenstellung wohl nicht getroffen hätte. Bei einem köstlichen Menü ergaben sich anregende Gespräche und es wurde viel gelacht.

Der Anlass: „Gutes essen und Gutes tun“, Menschen treffen sich, verleben einen schönen Abend und das für einen guten Zweck. Ein Benefizessen zu Gunsten von Horizonte e.V., der wie fast alle gemeinnützigen Vereine auf Spenden und Fördergelder angewiesen ist. Der Erlös kommt brustkrebserkrankten Frauen und deren Familien zu Gute. Ermöglicht wurde dieser „Sommernachtstraum“ durch die Großzügigkeit und das Engagement der Familie Schilling.
Verständnis, Begleitung, Lebensfreude: HORIZONTE ist ein noch junger Verein. Er wurde 2005 unter der Schirmherrschaft der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gegründet. Mittlerweile hat der Verein ein breit gefächertes Angebot, das allen Frauen mit und nach einer Brusterkrankung offen steht, egal wo sie behandelt bzw. betreut werden. Im Rahmen eines speziellen Projektes - „Erkrankt und betroffen“ – gibt es Beratung, Betreuung, Information und Themenabende für Paare, Familien und Kinder, denn keiner ist alleine krank, immer ist die Familie mit betroffen.
Großer Beliebtheit erfreuen sich die speziellen Sportgruppen unter fachkundiger Anleitung. Sport bringt Spaß, Lebensfreude, stärkt das Immunsystem, verbessert die Leistungsfähigkeit und, das ist ganz wichtig, bringt die Frauen in Kontakt miteinander, sodass eigene Aktivitäten wie Nordic Walken, Joggen und Wandern entstehen. Es wird auch Neues ausprobiert: das Therapeutische Klettern. Weitere Kontakt- und Informationsmöglichkeiten bietet das Patientencafe auf der Station des Brustzentrums der UMG, der Stammtisch im Göttinger Gesundheitszentrum und die Beratungsstelle im KiFaBü in Einbeck. Für alle diejenigen, die an Gemeinsamkeiten nicht teilnehmen können, gibt es Einzelberatung -Betroffene beraten Betroffene-, und auch Einzelbegleitung zur Diagnostik und Therapie. Im Mittelpunkt steht immer das Miteinander: „Gemeinsam ist man weniger allein“. Das gilt sowohl für die ehrenamtlich im Verein tätigen (betroffene und nicht betroffene) Frauen und Männer, als auch für alle die die Angebote wahrnehmen.

Patiententag, Infoveranstaltung, Modenschau, Puppentheater für die Kinder, Basar, Kochveranstaltung -viele Ideen werden eingebracht, mit viel Fantasie und Kreativität wird geplant und umgesetzt, und jeder bringt sich mit seine Fähigkeiten und zeitlichen Möglichkeiten ein.

Ich selbst engagiere mich bei HORIZONTE weil ich aus meiner Praxis weiß, dass medizinische Betreuung und ärztliches Einfühlungsvermögen nicht ausreichen, und die Frauen mit ihrer Erkrankung häufig allein sind. Insofern ist das Angebot von HORIZONTE (ganz besonders in Einbeck) eine wertvolle Unterstützung für die Betroffenen. Erstaunt bin ich immer wieder, was so alles machbar ist, wieviel Unterstützung es gibt, aber auch wie mühsam und arbeitsintensiv und finanziell schwierig das Umsetzen jeder einzelnen Idee sein kann.

Infos: www.horizonte-goettingen.de