Integration durch Sport

ASC 46 bewegt Rollifahrer

Text und Fotografie: Ronald Schmidt

Rollifahrer spielt BasketballIn der Lokhalle Göttingen ist an diesem Tag action angesagt, fünf Rollifahrer spielen sehr engagiert und ungewöhnlich dynamisch Basketball - ein Sport, den die Besucher der Göttinger Gesundheitsmesse gemeinhin nicht sofort mit einem Rollstuhl in Verbindung bringen würden. Der ASC Göttingen nutzt die Messe, um sich mit seinem Behindertensport-Angebot dem Publikum zu präsentieren. Was auf den zweiten Blick verwundert: Da stehen einige der Spieler in den Spielpausen aus ihrem Rollstuhl auf und können plötzlich -wie beim Wunder von Lourdes- laufen. Wie das? Nein, der Sport hat sie natürlich nicht geheilt, einige Spieler sind überhaupt nicht behindert und trotzdem können sie mitspielen.
Möglich wird dies durch die Spielregeln, die ein Punktesystem für den Grad der Behinderung vorsehen. Schadensklasse nennt sich das und die reicht von 1 bis 4,5. Nichtbehinderte haben die Schadensklasse 4,5 und müssen natürlich trotzdem im Rollstuhl sitzen, wenn sie mitspielen wollen. Das ist für sie eine interessante Erfahrung, bekommen sie doch so ungefähr ein Gefühl dafür, aus welcher Perspektive ein Rollifahrer agieren muss. Dass dies mit einer Behinderung natürlich noch schwerer ist, dürfte jedem klar sein. Hier greift die Schadensklasse als Regulativ ein, die fünf Spieler auf dem Feld dürfen in der Schadensklasse nicht mehr als 14 Punkte zusammen aufweisen.
Rollifahrer spielen BasketballWir fragen Jörg Schnitzerling, den Vorstandsvorsitzenden des ASC Göttingen von 1846 e.V. über den Stellenwert des Behindertensports in seinem Verein, der mit insgesamt 8.200 gesunden und behinderten Mitgliedern ein großes Spektrum in allen denkbaren Sportarten abdeckt. "Der ASC war einer der ersten Sportvereine in Deutschland, der sich mit dem Thema Integration von Menschen mit Behinderung durch und in den Sport auseinandergesetzt hat." Schnitzerling weiter: "Gerade im Bereich der geistigen Behinderung war Siegfried Mentz ein großer Vorreiter. Seiner Initiative ist es auch zu verdanken, dass der ASC vor wenigen Wochen eine Stiftung gründen konnte, die in den kommenden Jahren auch die Integration durch Sport in unserem Verein unterstützen wird."
Sport als Integration, so die Philosophie des ASC.
Egal ob körperliche oder geistige Behinderung, Sportler mit Handicap gehören in alle Sportarten.  Damit dies in möglichst vielen Sportgruppen auch umgesetzt werden kann, freut sich der ASC über jede sich bietende Hilfe. Mit den Demo-Spielen auf der Göttinger Gesundheit konnten die Rolli-Aktivisten jedenfalls schon einmal sehr gut beim Publikum punkten.

www.asc46.de