Das sagt der Experte: Bluthochdruck schon bei Kindern?

Blutdruckmessung bei einem KindIn Deutschland leiden mehr als die Hälfte der 35-65 Jährigen an einer Bluthochdruckerkrankung, auch arterielle Hypertonie genannt. Dass bereits Kinder daran erkranken können, war lange nicht bekannt.

Text | Fotos: Dr. Hulpke-Wette

In der Fachliteratur steht dazu, dass in jungen Jahren Bluthochdruck im Wesentlichen durch Nierenerkrankungen bedingt und somit selten ist. Doch das ist grundlegend falsch. Heutzutage weiß man, dass, wie bei Erwachsenen auch, in 90% der Erkrankungsfälle eine essentielle Hypertonie vorliegt, ohne die Ursache zu kennen. Oft tragen genetische Faktoren zu einer Hochdruckerkrankung bei; bereits Großeltern und Eltern leiden an einer Hypertonie.

Das Robert-Koch-Institut hatte zwischen den Jahren 2003-2006 die sogenannte Kiggs-Studie durchgeführt, die sich mit der Häufigkeit von erhöhten Blutdruckwerten bei Kindern befasst. Das Ergebnis:

5% aller Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren haben erhöhte Blutdruckwerte, sie fallen oft durch Unruhe, Konzentrationsstörungen, eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit, morgendlicheKopfschmerzen, Nasenbluten und Schwindel auf.

In Niedersachsen mit 1,22 Millionen Kindern bedeutet dies, dass schätzungsweise 60.000 Kinder einen zu hohen Blutdruck haben können!
Das bedeutet, dass die betroffenen Kinder Risikofaktoren für die Entwicklung einer Gefäßerkrankung (Atherosklerose) haben, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können. In einer seit 40 Jahren andauernden Studie konnten hochgradige atherosklerosebedingte Veränderungen der Herzkranzarterien bereits bei mehr als 30% der 16-20 Jährigen nachgewiesen werden.

Kinder mit Bluthochdruck fallen durch Unruhe, Konzentrationsstörungen, eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit und besonders unruhigen Schlaf auf. Einige Patienten berichten auch über morgendliche Kopfschmerzen, Nasenbluten und Schwindel. Bei diesen Kindern sollte man auf jeden Fall
den Blutdruck kontrollieren!

Um die Blutdruckwerte beurteilen zu können, sollten sogenannte Normwerttabellen zu Rate gezogen werden. Wichtig zu wissen ist, dass ein 10jähriger einen normalen Blutdruck von 100/60 mmHg hat. Liegt der Wert höher, beispielsweise bei 120/80 mmHg, kann von einer beginnenden Erkrankung ausgegangen werden.

Dr. Hulpke-WetteEine frühzeitige Erkennung und Behandlung kann Atherosklerose verhindern.

Erkrankte Großeltern und Eltern sollten daran denken, dass Enkel und Kinder ebenfalls zu hohe Blutdruckwerte haben könnten. Sie sollten eine Kontrolle durch den Kinder- oder Hausarzt durchführen lassen.
Wird eine Hochdruckerkrankung rechtzeitig entdeckt, kann auch entsprechend frühzeitig behandelt werden. Nur so ist eine Erkrankung an Atherosklerose zu verhindern.

Informationen und Kontakt:
Telefon: 0551/77555 | Mail: mhulpke@gwdg.de