Die zehn Rückenmärchen

Da viele Menschen mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen leiden, kursieren viele „Märchen“ zu solchen Beschwerden. Wie viel Wahrheit steckt darin?

Text | Grafik: Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen

Der Rücken ist eine Schwachstelle des menschlichen Körpers.
Der aufrechte Gang fordert dem Bewegungsapparat viel ab, vor allem der Rücken gilt deshalb als empfindlich. Anatomisch gesehen ist er jedoch ein sehr stabil gebauter Körperteil. Das Rückgrat besteht in seinen tragenden Teilen aus soliden Knochenblöcken, abgepuffert und verbunden durch dicke Bandscheiben und widerstandsfähige Bänder. Kräftige Muskeln umgeben und stützen das gesamte System. Tatsächlich ist es erstaunlich schwierig, sich am Rücken eine schwerwiegende Verletzung zuzuziehen.

Rückenschmerzen sind ein Zeichen für Schäden an der
Wirbelsäule.

Menschen mit starken Rückenbeschwerden haben nicht immer einen Wirbelsäulenschaden. Umgekehrt rufen im Röntgenbild erkennbare Verschleißerscheinungen nicht unbedingt Schmerzen hervor.

Nach einem Bandscheibenvorfall muss man sich schonen.
Bandscheibenschäden heilen in den meisten Fällen von selbst aus und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Je schneller man wieder regelmäßig körperlich aktiv ist, desto besser beugt man einem erneuten Bandscheibenvorfall vor.

Bei akuten Schmerzen helfen Spritzen besser als Tabletten.
Die meisten schmerzstillenden Arzneimittel wirken als Tablette fast genauso schnell wie als Spritze. Bei jeder Injektion besteht aber das Risiko von Nebenwirkungen, wie allergischen Reaktionen, Gewebeschäden oder einer Verletzung der Nerven. Viele Menschen, die wegen Rückenschmerzen zum Arzt gehen, bevorzugen trotz der Risiken eine Spritze. Dabei spielt die Vorstellung eine wichtige Rolle, die Verabreichung einer Spritze durch den Arzt sei eine intensivere Behandlung als das einfache Schlucken einer Tablette.

Falsche Bewegungen können Schmerzattacken auslösen.
Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Bewegungen. Ob eine Bewegung schmerzhafte Folgen hat, hängt davon ab, wie belastbar der Körper gerade ist. Es gibt typische Situationen und Umstände, die Schmerzattacken auslösen können. Es gibt aber auch den Hexenschuss aus heiterem Himmel nach einer völlig alltäglichen Bewegung.

Je älter, desto anfälliger wird man für Rückenschmerzen.
Tatsächlich sind Rückenschmerzen im höheren Alter seltener als im mittleren. Der typische „Rückenleider“ ist nicht im Rentenalter, sondern in seinen „besten“ und zugleich forderndsten Lebensjahren zwischen 30 und 50.

Bei akuten Rückenschmerzen ist Bettruhe angezeigt.
Früher wurde bei Hexenschuss und Ischias häufig Bettruhe verordnet, mittlerweile gilt die Vorstellung von der heilenden Wirkung der Ruhigstellung als überholt. Denn Bettruhe über länger als zwei Tage macht steif und unbeweglich, das Liegen drückt auf die Stimmung, und die Schmerzen werden stärker wahrgenommen. Sanfte Bewegung dagegen hilft, den Rücken wieder in Form zu bringen. Wer sich viel bewegt und regelmäßig die Rückenmuskeln trainiert, beugt Beschwerden vor.

Um Schmerzen vorzubeugen, hält man den Rücken am
besten stets gerade.

Wer beweglich ist, kann sich problemlos nach vorne beugen. Sich immer nur mit aufgerichtetem Rücken zu bewegen ist unnatürlich und belastet den Oberkörper einseitig. Es geht nicht darum, Bewegungen zu vermeiden, sondern den Körper so fit zu halten, dass er sich flexibel bewegen kann.

„Einrenken“ ist eine wirksame Behandlungsmethode.
Manche Menschen schwören darauf, sich ab und an „einrenken“ zu lassen (chirotherapeutisch behandeln zu lassen). Sie erfahren dadurch vielleicht eine kurzfristige Schmerzlinderung, laufen aber Gefahr, dass sich die Schmerzen durch wiederholte Anwendung verstärken. Um die Ursachen für Rückenschmerzen nachhaltig zu beseitigen, ist auf jeden Fall regelmäßige Bewegung sinnvoll.

Erst ein Röntgenbild gibt Klarheit, ob der Rücken geschädigt ist.
Durch eine gründliche körperliche Untersuchung kann der Arzt erkennen, ob es sich um unkomplizierte Rückenschmerzen, verursacht durch muskuläre Verspannungen, um eine Nervenwurzelreizung oder eine bestimmte Erkrankung handelt. Bei unkomplizierten Rückenschmerzen, also in etwa 85 Prozent der Fälle, ist das Röntgen überflüssig.

Testen Sie Ihren Rücken: http://www.tk.de/tk/21350