Wasserstrahl-Liposuction zur Behandlung des Lipödems

Professor Dr. J.F. Hönig und Dr. F.M. Hasse,
Abt. Plastische und Ästhetische Chirurgie Paracelsus Klinik Hannover


Logo Professor Dr. Dr. med. Johannes Franz Hönig - Plastische Chirurgie GöttingenEinleitung
Bisher war beim Lipödem, das durch symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes mit begleitendem Ödem und Schmerzen gekennzeichnet ist, nur mit konservativen Behandlungsmaßnahmen in Form der komplexen physikalischen Entlastungstherapie eine Reduktion des Ödems und damit eine Reduktion der spannungsbedingten Beschwerden möglich.
Das Lipödem geht in der Regel aus einer Lipohypertrophie hervor. Deshalb sind die Formvarianten des Lipödems identisch mit denen der Lipohypertrophie.

Lipödeme treten nur bei Frauen bei Vorhandensein einer Extremitätenlipohypertrophie auf und manifestiert sich meist in der Pubertät, manchmal aber erst um die Menopause.
Es betrifft in 97% der Fälle die Beine, in 66% die Beine allein. Charakteristisch ist dabei eine Fettverteilungsstörung. Die Fettgewebsvermehrungen reichen bis zur Mitte der Unterschenkel oder im Extremfall bis zu den Knöcheln. In allen Fällen kann das Gesäß zusätzlich mit verdickt sein. Fast ausschließlich sind die Füße und Zehen ödemfrei. Die Verdickungen der Beine und Arme sind erheblich stärker ausgeprägt, als die Fettgewebsvermehrungen am Rumpf.
Das Lipödem ist charakterisiert durch eine zusätzliche geringe Lympho-Phlebostase und eine erhöhte Kapillarpermeabilität. Diese mechanische Komprimierung der kleinen subkutanen Lymphgefäße (Präkollektoren) durch die Fettgewebsmassen führt zu korkenzieherartigen Deformierungen dieser Lymphgefäße, sichtbar in der Lymphographie. Zusätzlich kommt es durch Kompression der Venolen zu einer Phlebostase. Sobald diese Ödematisierung auftritt, kommt es zu typischen Krankheitssymptome des Lipödems: Spannungsgefühl der betroffenen Extremitäten und Prallheit des Gewebes mit Druck- und Berührungsempfindlichkeit.

Differentialdiagnostisch muss das Lipödem mit geringer Ausprägung vom symmetrischen Lymphödem der Beine und vom idiopathischen und orthostatischen Ödem beim Adipösen abgegrenzt werden. Das idiopathisches Ödem ist gekennzeichnet durch morgendliche Schwellungssymptomatik auch im Bereich der Hände und des Gesichtes; hingegeben das orthostatisches Ödem, das sich durch ein belastungsabhängiges Spannungsgefühl der Unterschenkel auszeichnet.
Ebenso ist eine Differenzierung zwischen Lipohypertrophie und Lipödem erforderlich, da ihre Therapie unterschiedlich ist.
Die Lipohypertrophie benötigt keine Therapie, da sie nicht zu Beschwerden führt.
Das Lipödem dagegen benötigt die physikalische Entstauungstherapie und/ oder Liposuction.

Bei bestehendem Lipödem klagen die Patienten bei einem der Befall der unteren Extremität über Druckempfindlichkeit im Bereich der Knieinnenseiten und weisen klinisch Fettgewebssäcke unterhalb der Knie und direkt oberhalb der Knöchel auf.
Ähnlich wie bei der unteren Extremität kommt es beim Lipödem der Arme zu Druckempfindlichkeit an den Oberarmhängefalten und Fettgewebsverdickungen direkt oberhalb der Handgelenke.

Therapeutisch wird beim Auftreten von Lipödembeschwerden eine physikalische Ödem-therapie durchgeführt, die aus manuelle Lymphdrainagetherapie und Kompressionsbehand-lungen bestehen.

Deutliche Fortschritte in der Behandlung der Lipödemtherapie werden durch die kürzlich eingeführte und von den Krankenkassen übernommene Behandlung der Wasserstrahl-Liposuction erzielt.
Der Wasserstrahl ermöglicht ein schonendes Lösen der Fettzellen aus dem Unterhautzellverband ohne dabei die durch die Fettverteilungsstörung hervorgerufenen Lymphbahnen zu zerstören. Die heraus gelösten Zellen werden dann mit klein kalibrigen Kanülen abgesaugt, so dass die pathogenetisch entscheidende Fettvermehrung beim Lipödem unter Schonung der Lymphbahnen als Vorteil des Wasserstrahls Liposuction reduziert resp. beseitigt wird und es zu einer mechanischen Dekompression der Lymphbahnen kommt.

Patienten und Methode
In einer klinischen Studie an 15 Patienten, die von uns 2007 publiziert wurde und 2009 nun 105 Patienten umfasst, wurde bei den Patienten, die an einem Lipödem der unteren Extremität litten, eine Wasserstrahl-Liposuction durchgeführt.

Ergebnisse:
In 97% Fällen konnte eine signifikante Besserung der Beschwerdesymptomatik bei gleichzeitiger Körperkonturierung erzielt werden; in 3% der Fällen war nur eine leichte Besserung der subjektiv empfundenen Schmerzen zu verzeichnen bei deutlicher Verminderung des Extremitätenumfangs.

Schlussfolgerung
Durch die Kombination der konservativen mit der chirurgischen Behandlung ist eine bisher nicht gekannte Besserung der Beschwerden mit beeindruckender Zunahme der Lebensqualität möglich geworden. Darüber hinaus trägt die Kombination der beiden sich ergänzenden Behandlungsverfahren gesundheitsökonomisch erheblich zur Kostenreduktion bei.

Entscheidend ist allerdings die Durchführung des Eingriffs in dafür spezialisierte Zentren mit moderner Technik und Erfahrung in der Liposuction.

Anschrift:
Professor Dr. Dr. med. Johannes F. Hönig
Abt. Plastische und Ästhetische Chirurgie Paracelsus Klinik Hannover
Oertzeweg 24
30851 Hannover / Langenhagen
Tel.: 0511-4503012
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